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Nehmen Sie doch Platz!
Hier?
Wo sie wollen.
Irgendwann fiel mir auf, dass sich die Teilnehmer bei Veranstaltungen, in Kursen oder
Seminaren ganz ähnlich verhielten, wenn sie auf einem bestimmten Platz
im Raum saßen. Dabei spielte offenbar die relative Position zum Platz des Kursleiters die
entscheidende Rolle.
Aber nehmen wir doch einfach einmal einen Tisch ...
... und schauen, wer sich dort immer wieder gerne auf dem Platz rechts, schräg gegenüber
dem Kursleiter einfindet. Stellen wir uns dazu vor, wir sind in einem Sprachkurs. Der Lehrer
sitzt auf dem orangefarbenen Stuhl. Den roten Stuhl hat ein Teilnehmer inne, der über
sehr gute Kenntnisse verfügt, aber sich, wenn er aufgefordert ist zu sprechen,
eher zurückhaltend zeigt. Intensiv ist er an allem interessiert, was mit Grammatik zu
tun hat. Seine Tischnachbarin zur Rechten scheint diesen Dingen eher wenig abzugewinnen.
Sie erzählt munter drauf los, und lässt sich durch ihren fremdsprachlichen Fehlerreichtum
kaum beirren.
Im nachfolgenden Kurs haben wir ein ganz ähnliches Bild. Dem Dozenten rechts
schräg gegenüber sitzt eine Teilnehmerin, die ihm fast immer ein paar fachliche
Fragen stellt, bevor der Kurs überhaupt begonnen hat. Während der Stunde
unterbricht sie sich öfters selbst, weil sie sich über die sprachliche Richtigkeit
dessen, was sie zu sagen beabsichigt, nicht sicher ist. Und auch an ihrer rechten Seite
sitzt jemand, der sich viel unbekümmerter artikuliert.
Diese und allerlei andere Gemeinsamkeiten fanden sich in vielen, vielen Kursen und
Seminaren, und so bekamen die Plätze um den Tisch ihre Namen.
Das Klugscheißermodell war geboren.
Nach dem ersten Entwurf dauerte es nicht lange,
bis sich noch grundlegendere Raumprinzipien zeigten, Muster und
dynamische Strukturen, die sich in ganz unterschiedlichen
Kommunikationssituationen beobachten ließen. Doch davon später mehr.
In der Mitte steht wieder unser Tisch. Dass wir den eigentlich gar nicht
immer brauchen, sei hier schon einmal bemerkt. Die Plätze heißen
der Klugscheißerplatz (1), der Pfuscherplatz (2),
der emotionale Platz (3), der Perfektionistenplatz (4),
der Kontrakompetenzplatz (5), der Kritikerplatz (6),
der Technikerplatz (7) und der unscheinbare Platz (8).
So, das wär's erstmal. Demnächst geht es weiter mit
dem gesamten Modell. Infos für ein Feedback gibt es unter Kontakt.
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© 2003-2006 Thomas P. Birkhoff